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Dahenfeld - Neckarsulm von seiner schönsten Seite!


Von Remigius Reims

(Foto: Joachim Köhler)
Blick vom Rathaus zur Kirche

In Dahenfeld zeigt sich Neckarsulm von seiner schönsten Seite. Der kleine Stadtteil hat sich seine Identität und den dörflichen Charakter auch nach der Eingemeindung bewahrt.

Dass Neckarsulm ein bedeutender Industriestandort ist, sieht man zwar auch hier. Wie ein Schutzwall liegt das Dahenfelder Gewerbegebiet mit namhaften Firmen entlang der Kreisstraße, die am Dorf vorbeiführt.

Doch biegt man von der L1095 ab und fährt eine der beiden Zufahrtsstraßen in Richtung Ortsmitte, deutet nichts mehr darauf hin, dass man sich noch immer in einer Großen Kreisstadt befindet. Dorfidylle pur: Keine Ampeln. Kein Stau. Keine Kreisverkehre. Noch nicht mal einen Zebrastreifen gibt es hier. Katzen haben immer Vorfahrt, und es gibt viele Katzen im Dorf.

Wenn man sein Auto mitten auf der Straße anhält und einen kurzen Plausch durchs offene Fahrzeugfenster führt, wird das von nachfolgenden und entgegenkommenden Pkw-Lenkern bis zu zwei Minuten lang klaglos toleriert. Dagegen sollte man sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass an den Dahenfelder Straßenkreuzungen die Regel „rechts vor links“ beachtet wird. Dass im gesamten Dorf "Tempo 30" gilt, wissen auch noch nicht alle.

Ein kleiner Bach zieht sich durch den Ort. Er wurde bei der Grundschule aus seinem Betonbett herausgeholt, renaturiert und wieder erlebbar gemacht. Vor dem Ladengeschäft in der Dorfmitte steht ein Bistrotisch mit Stühlen. Nicht nur Jugendliche nutzen dieses Angebot, aber ein Ersatz für die geschlossenen Gaststätten „Kreuz“ und „Engel“ ist das trotzdem nicht. Lediglich die SC-Sportgaststätte am Mönchswald bietet noch die Möglichkeit zur gepflegten Einkehr.

(Foto: Johann Habla)
Aussenansicht der Sportgaststätte am Mönchswald

Daran sind die Dahenfelder selbst schuld, sagen manche. Sparsam seien sie, und wenn sie schon mal essen gingen, dann auswärts. So könne sich keine Gaststätte halten. Aber auch anderswo haben es Dorfkneipen schwer. Die Konkurrenz ist groß, und die vielen Feste allerorten tun ihr übriges.

Auf ihre Feste gehen die Dahenfelder gern. Zum heimischen Fasching etwa, am 1. Mai aufs Waldfest bei der Blockhütte, Mitte Juli zum Dorffest und im August zum Biker-Fest des Motorradclubs MC Extraprall. Die Weihnachtsfeiern des Sportclubs und des Musik- & Gesangvereins sind immer ausgebucht. Aber die Dahenfelder sind auch häufig auswärts unterwegs. Sie pilgern den Sommer über „donnerstags in die City“ auf den Neckarsulmer Marktplatz, zu den Open-Air-Konzerten dort. Und sie reisen ihrem Musikverein hinterher, der Blaskapelle, die mittlerweile überregional als DIE DAHENFELDER Erfolge feiert.

Das Vereinsleben funktioniert. Die KjG (Katholische junge Gemeinde) kümmert sich engagiert um den Nachwuchs, gleich welcher Konfession. Auch Musikverein und Sportverein sind unverzichtbare Träger der Jugendarbeit. Der Kirchenchor pflegt das eher traditionelle Liedgut, der sogar bei SWR4 erfolgreiche „daChor“ schlägt die Brücke in die Zukunft. Die Feuerwehr ist eigentlich kein Verein, irgendwie aber doch.

Die Faschingsnarren von DIVUS sind ausdrücklich kein Verein, der Frauenbund dagegen ein sehr rühriger. Der MC Extraprall schließlich ist nicht nur der Verein der Dahenfelder Biker, sondern auch Konzertveranstalter und AC/DC-Hochburg. Das Wort „olwer“ hat dem MC neue Facetten seiner Bedeutung zu verdanken.

Nicht vereinsmäßig organisiert, aber ortsbildprägend sind die vielen Traktoren (Schlepper), Agrias (Hasen-Bulldogs) und Pkws mit Anhängern, deren Lenker an sonnigen Samstagen (den sog. „Hängerles-Tagen“) das Vorurteil widerlegen, es gebe im Dorf nur noch einen verbliebenen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Dahenfelder Brennholzvorräte, auf den umliegenden Wiesen zu mächtigen Beugen aufgeschichtet, könnten eine Großstadt wie Heilbronn durch mehrere harte Winter bringen.

(Foto: Johann Habla)
Holzbeugen im Gewann Kirschenbach

Die Dahenfelder selbst sind eher ruhig, zurückhaltend, arbeitsam und im persönlichen Umgang bescheiden. Aber sie sind stolz auf ihr kleines Dorf und möchten nirgendwo anders leben. Dabei kennen sie sich in der Welt aus, sie kommen viel herum. Ob Australien, USA, Kanada oder China. Von Sizilien bis zum Nordkap, von Irland bis Benin - Dahenfelder trifft man überall. Doch am schönsten ist es daheim, und deswegen kommen sie immer wieder zurück!

Die meisten Menschen glauben bekanntlich, ihr eigener Wohnort wäre ein ganz besonders „lebens- und liebenswerter“. In Dahenfeld muss man sich solche Komplimente nicht selbst machen. Da bekommt man sie von auswärtigen Besuchern.

Wer in Dahenfeld wohnt, ist sich darüber im Klaren, dass dies noch ein Stück "heiler Welt" bedeutet, wie es immer seltener anzutreffen ist. Jede/r kennt jede/n. Man redet noch miteinander, wenn man sich begegnet, und man hilft sich gegenseitig. Getratscht wird natürlich auch, und gelegentlich gibt es Streit. Aber das regelt sich auch wieder.

Also alles eitel Sonnenschein? Ganz so einfach ist es leider nicht! Die traditionelle Infrastruktur sicherzustellen, wird zunehmend schwieriger in einem Dorf von knapp 1.400 Einwohnern. Wer kann sich noch vorstellen, dass es 1971, im Jahr der Eingemeindung, in Dahenfeld drei Lebensmittelgeschäfte, zwei Metzgereifilialen und sogar eine Tankstelle gab! Geblieben sind der Kindergarten, die Grundschule, eine technische Bankfiliale, der Laden und eine Gaststätte.

Zwar stemmt sich auch die städtische Verwaltungsstelle im historischen Rathaus mit kundenfreundlichen Öffnungszeiten und einem breit gefächerten Dienstleistungsangebot gegen die Gefahr, dass in der Ortsmitte „die Lichter ausgehen“. Aber wir leben in einer Zeit, in der selbst Postbriefkästen regelmäßig den Nachweis ihrer Existenzberechtigung in Form eingeworfener Briefe bringen müssen!

Zum Glück gibt es das Internet als neue Einkaufsmöglichkeit, und so haben wenigstens die Paketzusteller von HERMES, UPS und DHL gut im Dorf zu tun. Wer stattdessen Datenpakete online in akzeptabler Geschwindigkeit versenden möchte, benötigt einen Anschluss an das schnelle Netz von KabelBW.  Anderenfalls muss man sich mit dem lahmen „DSL light“ der T-Com herumplagen.

Dahenfeld ist Audi-Land. Es gibt zwar einen Dahenfelder Bahnhof (seit dem 1. Mai 2015: Hauptbahnhof!), aber die neue „Stadtbahn Nord“ hält dort nicht. In Dahenfeld braucht man ein Fahrrad, den Bus und vor allem das eigene Auto. Morgens zu Audi zur Arbeit, nachmittags zum Einkaufen oder zum Arzt nach Neckarsulm oder Neuenstadt, abends in die Disco oder in die Kneipe nach Heilbronn (und noch weiter weg). Jugendliche ohne Führerschein sind auf die Chauffeurdienste ihrer Eltern angewiesen, sonst werden Kino- und selbst Freibadbesuche zum Problem.

Als Wohngebiete wie das im Dahenfelder Gewann Schauberg in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts geplant wurden, war noch nicht vorstellbar, dass eine einzige Familie einmal vier Autos besitzen könnte. Heute ist das normal, und meistens ist die einzige Garage am Haus mit Fahrrädern, Motorrädern usw. derart voll gestellt, dass die Autos notgedrungen alle draußen auf der Straße bleiben. Abends nach 20 Uhr in der Schaubergstraße einen Parkplatz zu finden, ist eine echte Herausforderung.

Dahenfeld ist keine Insel, und schon gar keine Insel der Seligen. Dahenfeld hat sich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte stark verändert, von der vergleichsweise armen, landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zu einem selbstbewussten Stadtteil, der von der Neckarsulmer Finanzkraft zweifellos profitiert hat und ein attraktives Wohnumfeld auch für junge Familien bietet.

Dahenfeld ist immer noch eher etwas konservativ (und ganz überwiegend katholisch). Die Beteiligung bei Wahlen liegt traditionell höher als im restlichen Neckarsulm. Aber wenn auch der legendäre Dorfpfarrer Alois Abele noch immer gerne beschworen und zitiert wird: Die „guten alten Zeiten“ sind vorbei, wie nicht nur die überschaubarer gewordene Zahl der Kirchgänger am Sonntag bestätigt.

Auch in Zukunft werden die allgemeinen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen das Dorf erreichen. Vielleicht mit etwas Verzögerung und abgeschwächt, aber doch. Dass es in Dahenfeld einmal einen Raum für „offene Jugendarbeit“ geben würde, hätte bei der Eingemeindung 1971 sicher niemand geglaubt.

Eines aber bleibt. Der Heilige Remigius hält seine Hand über das Dorf. Er ist nicht nur Namenspatron der wunderschönen Dahenfelder Wallfahrtskirche. Sein Bild findet sich auch im Wappen der weltlichen Gemeinde wieder. Er ist als Remichele die Symbolfigur des Dahenfelder Faschings und als Remigius Reims schreibt er gelegentlich Artikel für die Zeitung (und auch für dahenfeld.de). Remigiusfahnen wehen an nicht wenigen Masten im Dorf und sie werden in fernen Urlaubsländern mit liebevollem Stolz geschwenkt.

Solange die Dahenfelder einerseits ihre Traditionen bewahren, andererseits für Neues offen bleiben, braucht man sich um die Zukunft des kleinen, unbeugsamen Dorfes keine Sorgen zu machen. Der Himmel wird uns schon nicht auf den Kopf fallen!

20.08.2009 (aktualisiert 25.05.2015)

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